Freitag, 14. Februar 2014

„Aufdeckung eines ostdeutschen Agentenrings in Österreich“

Am 12. Jänner 1965 wurden die Mitglieder der österreichischen Bundesregierung hinter verschlossenen Türen über ein brisantes Thema informiert: Die Aufdeckung eines ostdeutschen Agentenrings in Österreich. Das zeigt eine Beilage zur Verhandlungsschrift des Ministerrats, die im Österreichischen Staatsarchiv/Archiv der Republik aufbewahrt wird.

Bereits Mitte November 1964 war in Linz der 37jährige deutsche Staatsbürger Hans H. verhaftet worden – diesem konnte nachgewiesen werden, dass er bereits seit Jahren für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) spionierte. Das bei ihm sichergestellte Material brachte ihn mit einem weiteren Deutschen und einem 35jährigen Österreicher in Zusammenhang. Letzterer war als technischer Angestellter im Metallwerk Plansee in Reutte (Tirol) tätig. Von dort hatte er „schon seit Jahren Forschungsergebnisse […], die von besonderer Bedeutung für die Raketentechnik und die Raumfahrt waren, nach Ostberlin weitergeleitet“.

Bei einem der Spione wurde weiters umfangreiches Photo- und Filmmaterial sowie Planskizzen gefunden, „die es ermöglichten, insgesamt 6 Funkgeräte, zum Teil unter Verwendung von Minensuchgeräten, aufzufinden und sicherzustellen. Diese Geräte waren vor Witterungseinflüssen geschützt und an verschiedenen Stellen in der Erde vergraben. Sie waren noch unbenützt und offenbar zum Ausbau eines Nachrichtennetzes größeren Umfangs für einen späteren Einsatz vorgesehen, der durch das rechtzeitige Einschreiten verhindert wurde. Die ostdeutschen Agenten waren mit den modernsten Geräten ausgestattet, darunter auch mit Mikrofilmapparaten, die in Nippfiguren und Schirmgriffen verborgen waren. Filmrollen und Chiffre-Schüssel und andere Behelfe waren in Wollknäuel, Wachsdosen, unter Türschwellen und in Hohlräumen von Möbeln versteckt.“

Im Zuge der Ermittlungen stießen die Behörden auch auf einen weiteren „Führungsoffizier“ des Agentenrings. Dessen Ehefrau hatte pikanterweise ab 1961 in der ÖVP-Presseabteilung gearbeitet und dort „Zugang zu vertraulichen Informationen“ gehabt, „u. a. wurde sie auch zur Abfassung des Protokolls über die Klausurtagung der ÖVP auf dem Semmering im Jahre 1962 herangezogen“. Als sich der Verdacht erhärtete, die Frau könnte eine Spionin sein, wurde sie im April 1963 entlassen und begab sich umgehend nach Ostdeutschland. Dorthin folgte ihr auch der Gatte kurze Zeit später nach.